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Der Eintopf

 

Während ich so überlege, was ich heute kochen soll, fällt mein Blick in den Kühlschrank auf den fast kompletten Bund Staudensellerie, der von gestern noch übrig ist. Früher hat der Türke den noch nach Gewicht verkauft, da habe ich mir zwei Stangen abgebrochen, wenn ich zwei Stangen brauchte. Aber heutzutage zahle ich einen Stückpreis und darum bleibt immer einiges übrig.

 

Obwohl ich völlig gottlos bin, bewundere ich manchmal ehrfürchtig, was der liebe Gott doch für mannigfaltige leckere Gemüse erfunden hat. Ich esse ja wirklich gerne Fisch und Fleisch, aber ohne Gemüse ist alles nichts.

 

Ein Remmel Räucherspeck von heute Mittag, als ich mir ein Rührei machte, liegt auch noch im Kühlschrank. Dann ist ja alles klar: Minestrone. Für fünf Mäuse kaufe ich da eine Stange Lauch, zwei Möhren, einen Zucchino, eine Aubergine, sechs große Champignons, zwei rote Paprikaschoten, eine Fenchelknolle und zwei so dicke Kartoffeln, daß der Bauer einen IQ unterhalb der Körpertemperatur haben muß. Zwei rote Zwiebeln, eine Chilischote, einen Schöpflöffel voll schwarzer Oliven und eine kleine Dose weiße Bohnen

 

Natürlich schmecken die Bohnen besser, wenn man sie einweicht und in Hammelbrühe garkocht. Aber ich will den Eintopf ja heute noch essen und wenn man die Dosenbohnen gründlich im Sieb abspült, schmecken sie auch ganz passabel. . In eine echte italienische Minestrone kommt noch Blumenkohl und Broccoli, aber beides spare ich mir leichten Herzens. Sowas hat der Türke auch garnicht. Trotzdem schnell in den Rewemarkt, da reiße ich einen Zweig Rosmarin und drei Stengel Thymian aus den Kräutertöpfchenen, stecke sie in die Tasche und bin gleich wieder weg. Alles andere habe ich vorrätig.

 

Zuhause mache ich mich sofort an die Gemüsebrühe. Erst hacke ich eine der Zwiebeln und drei Knoblauchzehen in grobe Stücke und dünst sie in Olivenöl an. So entfalten sie nämlich mehr Aroma. Darum koche ich immer fast alles in Olivenöl. Dazu kommen dann die Stange Lauch, die Möhren, und die Hälfte der Selleriestaude, die obere mitsamt den grünen Blättern. Schließlich die großzügigen Abschnitte der Fenchelknolle und die Stiele der Pilze. Gewürzt wird mit dem Rosmarin, einem Lorbeerblatt, zerstoßenen Pimentkörnern und zwei, drei Nelken.

 

Dann schneide ich noch eine Tomate klein und die Schwarte von dem Speck ab und gebe die in den Topf. August und September sind leider die einzigen Monate, wo die Tomaten nach Tomaten schmecken. Das kann man beim Einkaufen leicht feststellen, indem man daran riecht. Der Türke hat italienische Freilandtomaten, die riechen wie früher bei uns im Garten. Etwa zwei Liter Wasser auf den Gemüsehaufen und aufgekocht.

 

Drei Eßlöffel Salz schütte ich in die kochende Brühe und stelle den Wecker auf eine Stunde. In der Zeit hole ich mir genüßlich einen runter. Angenehm ermattet schütte ich die Brühe durch das spitze Sieb und quetsche das Gemüse aus.

 

Weil ich nach dem Nachmittagsschläfchen keine Lust habe, alleine zu kochen und zu essen, rufe ich Bruno an und lade ihn zum Eintopf ein. Eigentlich koche ich nicht gerne für Bruno, denn der weiß immer alles besser und belehrt mich, was er anders gemacht hätte. Beim letzten Mal bemängelte er fehlendes Salz und Chili und schlußfolgerte: Komm mal zu mir, dann koche ich dir was richtiges!

 

Bruno bringt kaltes Bier mit und nach dem Anstoßen und den sonstigen Begrüßungsformalien begebe ich mich ans Werk.

 

Wieder in reichlichem Olivenöl brate ich den Speck kräftig an, schalte den Herd dann runter und dünste die zweite Zwiebel, die ich in Ringe geschnitten habe und sechs oder acht gehackte Knoblauchzehen mit. Eine zehn Zentimeter lange Chilischote hacke ich klein und lasse sie ebenfalls schmurgeln So nimmt das Fett Schärfe und Geschmack an und gibt das an die Suppe weiter. Gelassen ignoriere ich Brunos Einwand, noch eine zweite oder gar dritte Schote nehmen zu müssen. Bruno ist nämlich von sehr virilem Typus und kann es nicht scharf genug haben Wenigstens interessiert er sich nicht für Autos, darum kann ich ihm schon mal länger als eine halbe Stunde zuhören. Hauptsächlich interessiert er sich für alles, was mit Ficken zu tun hat und das ist schon amüsant, auch wenn ich mir die Details alle täglich  in Youporn ansehen kann.

 

Jetzt aber rede ich nicht übers Ficken, sondern schneide die göttlichen Gemüse klein. Zuerst die, die die längste Garzeit haben: die Selleriestengel, den Fenchel, die Kartoffeln. Den Zucchino und die Aubergine auch, die müssen nämlich weich sein, nicht mehr bißfest. Das alles gebe ich in das Öl und rühre das zehn Minuten ordentlich hin und rum. Jetzt noch die Kartoffelwürfel rein und die Gemüsebrühe. Die schmecke ich vorher nochmal ab – nicht übermäßig salzig. Furchtlos schütte ich zwei Eßlöffel Salz in die Suppe. Die Gemüse werden das meiste absorbieren. Den Thymian gebe ich jetzt erst herein, der verliert im Gegensatz zum Rosmarin sein Aroma, wenn er zu lange kocht, genau wie die zerstoßenen Pfefferkörner. Und eine halbe Tube Tomatenmark, soviel Geschmack schaffen auch die italienischen Freilandtomaten nicht. Außerdem ist der Topf jetzt schon mehr als voll. Die Paprikas und Pilze, die ich nach zehn Minuten Kochzeit in die Suppe rühre, drücken den Pegel fast bis an den Topfrand. Bohnen und Oliven wollen ja auch noch mitspielen.Dann  noch zwei, drei ganze Tomaten und er würde überlaufen.

 

Fünf Minuten später sind die Pilze gar und die Paprikastücke noch knackig. Genauso knackig sind die Selleriescheiben, während alles andere weich und durchgegart ist. Ich stelle den Herd aus und lasse die Bohnen und Oliven warmziehen. Die Suppe bleibt noch mindestens eine Stunde heiß, darum trinken wir in Ruhe unser Bier aus. Dabei unterhalten wir und übers Kochen und natürlich übers Ficken. Dann öffne ich den angekühlten Salice Salentino und decke den Tisch. Dem Bruno stelle ich die Salzmühle und eine Dose türkische Chiliflocken vors Gedeck. Ein Tellerchen mit frisch gehackter Petersilie ist für uns beide vorgesehen.

 

Ich finde die Minestrone scharf genug, um die anderen Geschmäcker kongenial zu unterstreichen. Salzarm ist sie auch nicht gerade, ich muß mit großzügigen Schlucken Rotwein immer wieder den Durst löschen und das Brennen im Mund neutralisieren. Trotzdem bedient Bruno sich ebenso ungerührt wie reichlich von den angebotenen Gewürzen.

 

Jeder putzen wir zwei volle Teller davon weg, schütten jeder zwei Grappe in die vollen Bäuche und trinken die Weinflasche leer. Bruno lobt mein Essen auffallend enthisiastisch, offebar hat es ihm zu denken gegeben, daß ich ihn seit einem Vierteljahr nicht mehr eingeladen habe, während ich in der Zeit sicherlich fünf- oder sechsmalbei ihm zu Gast war. Die abschließende Haschpfeife lehnt Bruno ab. Er will noch ins Shell, wo es ein Hillybillykonzert gibt, und sich was zum Ficken anlachen. Nicht mein Ding. Ich mache die Tür hinter ihm zu und ergebe mich, nachdem ich die Zweipersonenpfeife geraucht habe, Mahlers neunter Sinfonie.

 

Als ich erwache, esse ich nochmal einen halben Teller der immer noch lauwarmen Suppe.

 

 

12.9.09 02:02


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