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Arme-Leute-Essen

Zur Abmilderung meiner Depression hilft nur Kochen. Ich habe seit dem Tod meiner Liebsten fast keinen Fisch mehr gegessen, nur einmal, als ich ein Mädel eingeladen hatte, kaufte ich vier große Rotbarben. Aber jetzt bin ich gerade mal bettelarm und kann mir keine teuren Barben leisten. Es lohnt zum alleineessen den Aufwand auch nicht. Warum nicht einfach ein Fischfilet, das ist preiswerter und geht im Handumdrehen.

Steinbeißer hat der Fischmann hier leider nie und Kabeljau ist heute abend aus. Ich kaufe für zweifuffzich ein Stück Rotbarsch, den esse ich auch sehr gerne.

Dann streune ich durch die türkische Gemüseabteilung und überlege, welches Gemüse zum zarten Fisch paßt. Möhrchen hatte ich am Wochenende erst zur Lammkeule, Bohnen sind mir zu streng. Ich greife eine große Handvoll Champignons und vier kleine Kartöffelchen und zahle dafür nochmal 80 Cent.

Schnell wieder hoch, die Türe zu- und eine Flasche Bier aufgemacht! Weil ich noch eine einsame Tomate da rumliegen sehe, fällt mir ein, ein Tomatenkonkassé unter die Champignons zu rühren. Das geht nämlich nur im Spätsommer und im Herbst, wenn die Tomaten nach Tomaten schmecken. Gleich bringe ich Wasser zum Kochen, schmeiße die angeritzte Tomate dort rein und lasse sie eine Minute drin. Sie wird aufs Tellerchen zwischengelagert und in einer  Kochpause geschält, entkernt und in kleine Stücke geschnitten.

Im gleichen Topf setze ich jetzt die ungeschälten Kartöffelchen auf und bereite die Champignons vor. Die Tomate verlangt nach Knoblauch und Thymian, also schneide ich zwei Zehen in Stücke und lasse sie in reichlich gesalzener Butter angehen. Die gestückelten Pilze dazu, reichlich grobzerstoßenen Pfeffer und die von drei Thymianzweiglein abgezupften Blättchen. Das wird gut durchgerührt und die Hitze etwas erhöht.

Jetzt ist der Fisch an der Reihe. Für den zerlasse ich in einer hochwandigen Pfanne ganz viel Butter und gebe eine halbe Zitrone, geschält und in kleine Stückchen geschnitten darein. Die andere Hälfte drücke ich mit der Hand über die Pilze.

Das Rotbarschfilet salze ich nur und streue ein wenig gemahlenen Piment drauf. Das habe ich mal von einem Franzosen gelernt. 'Auf die Fisch du muss immer tun ein wenisch won die Piment!' Fünf Minuten, bevor die Kartoffeln gar sind, kommt das Biest in die Zitronenbutter, wo es nicht brät, sondern sanft schmurgelt. Weil der Bursche ziemlich dick ist, wird er in der milden Hitze wohl vier Minuten von jeder Seite brauchen.

Nachdem ich ihn herumgedreht und das Tomatenkonkassé unter die Champignons gerührt habe, schütte ich die Kartoffeln ab und pelle sie. Die Platten unter Rotbarsch und Champignons stelle ich zwischenzeitlich ab, denn der Fisch ist fertig und die Tomaten sind ohnehin gar und müssen nur noch warm werden. Den Fisch zu den Kartöffelchen, übergieße ich beides mit der Zitronenbutter. Die Champignons scheinen mir plötzlich sehr viele zu sein, doch sie passen - so gerade noch - auf den Teller. Vorher habe ich sie vorsorglich nochmal nachgesalzen, denn die Tomatenstücke werden das bißchen Salz in der Butter vollkommen absorbiert haben.

Das alles hat gerade mal eine halbe Stunde gedauert. Schon steht der Teller auf dem Tisch, ich mache ein schönes Foto und wetze Messer und Gabel. Ganz furchtlos trinke ich zu dem preiswerten und einfachen Gericht eine Flasche Retsina, weil ich die gerade da habe. Die Champignons, die mir so reichlich erschienen, sind als erstes alle.

Lieber antidepressives Kochen als antisexistisches Männerfrühstück.

 


9.9.10 21:45


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