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Spanisch Frikko

Auf die Idee hat mich mein Bruder gebracht, als ich am Wochenende Spanschlauch zubereitete. Das war eine Erfindung von meinem Opa und sollte 'Spanisch Lauch' heißen, Fingerlange Porreestangen mit Tomaten und reichlich Knoblauch und Schalotten in Weißwein gedünstet als Gemüsebeilage.

Spanisch Frikko, erinnerte ich mich dunkel aus meiner Jugend, waren Rindfleischscheiben mit Kartoffeln und Zwiebeln geschmort. Erstmal machte ich mich im Internet doof. Da fand ich auch gleich fünfzig Rezepte von zwanzig Westfalen, die das Gericht für sich reklamieren. Das fing an mit Margarine, die man in einem Topf zerschmelzen sollte, um sodann gemischtes Gulasch darin hinzurichten. Andere machten das sogar mit Hackfleisch. Einer, dessen Oma aus Allendorf war, offenbar dem Erfinderdorf vom Spanisch Frikko, drängte seine Leser, unbedingt jede Schicht des Eintopfs mit 54%igem Bauernschmand fingerdick zu bestreichen. Nehme man diesen Bauernschmand nicht, könne man das ganze Gericht ins Klo schmeißen, da ungenießbar.

Ich kenne persönlich keinen Bauern, dem ich mit einer so ungewöhnlichen Bitte kommen könnte, falls das überhaupt möglich ist. Also schließe ich seufzend meinen Browser und denke mir selbst ein Rezept aus.

Rindfleisch muß dran, das ist klar, in dünnen Scheiben und nicht in klobigen Gulaschbrocken. Der Metzger hat saftig und gut abgehangen aussehende Unterschale ohne nennenswertes Bindegewebe, davon nehme ich ein Pfund. Dazu drei dicke Kartoffeln und zwei Zwiebeln, mehr brauche ich nicht. Damit die Zwiebeln auch ordentlich Aroma abgeben, nehme ich ordinäre gelbe Stinkzwiebeln, was ich sonst selten tue. Kostet alles zusammen viereurodreiundachtzig.

An die Arbeit. Ich heize den Backes auf 200 Grad vor. Das Fleisch schneide ich in 1/2 cm dicke Scheiben. Weil der Mastochse nun kein junges Tier mehr ist und deshalb auch zähere Muskelpartien hat, z.B. die Unterschale, gebe ich den Scheiben mit dem Küchenbeil ein paar kräftige Breitseiten, bis daß sie nur noch halb so dick sind, bevor ich sie in mundgerechte Stücke zerteile.

Meinen Schmortopf erwärme ich kurz im vorheizenden Backes, bis ein großer Klatsch Butter geschmolzen ist. Die erste Kartoffel wird geschält und in Dreimillimeterscheiben geschnitten, diese fächerförmig im Topf ausgelegt und kräftig gesalzen und gepfeffert, ungemahlenes grobes Salz und sehr grob zerdrückte Pfefferkörner, unter die ich auch ein paar Pimentkörner gemischt habe. Darauf schichte ich eine in noch dünnere Scheiben geschnittene Zwiebel, dann die Hälfte der plattgehauenen Fleischstücke, die genauso wie die Kartoffelscheiben gewürzt werden.

Das alles wiederhole ich noch einmal und bedecke es mit einer dritten Schicht Kartoffelscheiben. Jetzt sollte ich einen kräftigen Rinderfonds angießen, aber den mag ich nicht extra kochen. Im Gefrierfach habe ich noch genauso kräftige Hühnerbrühe, die nehme ich dafür. Hühnerbrühe kann man nämlich für alles verwenden, zu Kalb- wie zu Lammfleisch, sogar zu Fisch. Und weil meine Hühnerbrühe ungesalzen ist, streue ich noch einige Fingerspitzen Salz über das Oeuvre.

Alles in Allem nicht viel Arbeit. Den Backes schalte ich gleich auf 150 herunter und gehe mit meinem Gast erstmal ein Kölsch trinken. Nach eineinhalb Stunden kehren wir frohgelaunt zurück und fressen zwei Drittel des Topfes leer. Das Fleisch ist wunderbar zart, die Kartoffeln haben das bei der niedrigen Temparatur gut ausgehalten, die Zwiebeln sowieso.

Warum das Frikko spanisch ist, weiß kein Mensch. Möglicherweise hängt das mit Holländern zusammen, die sich im Mittelalter in Westfalen herumtrieben, nachdem die die Spanier verdroschen hatten. Ist mir auch egal.

18.4.12 23:39


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